Frankfurter Allgemeine und Autor Andreas Mihm


 
Frankfurter Allgemeine und Autor Andreas Mihm
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Machts Sinn



Anmeldungsdatum: 23.09.2010
Beiträge: 1500

Verfasst am: Mo Jan 02, 2012 2:54 pm    Titel: Frankfurter Allgemeine und Autor Andreas Mihm

Zum gesundheitspolitischen Beitrag der Frankfurter Allgemeinen und ihres Korrespondenten, Autor Andreas Mihm,

Krankengeldbezieher unter Missbrauchsverdacht

faz.net/aktuell/wirtschaft/gesundheitspolitik-krankengeldbezieher-unter-missbrauchsverdacht-11584421.html#comments

stellt sich die Frage, unter wessen Missbrauchsverdacht Krankengeldbezieher stehen. Ist das lediglich eine oberflächliche Meinung der Frankfurter Allgemeinen oder des Andreas Mihm – aufgrund welcher Quellen oder Tatsachen?

Zu dürftig ist die allgemeine Behauptung: „Krankenkassen vermuten, dass beim Krankengeld zunehmend zu ihren Lasten getrickst wird“. Die Zitate der im Beitrag genannten Barmer GEK lassen diesen Schluss jedenfalls nicht zu, ebenso wenig die Daten der Bundesagentur für Arbeit. Auch die Techniker Krankenkasse und die DAK sind mit ihren „Ausweichstrategien“ und „Auffälligkeiten“ insoweit nicht zureichend präzise.

Womöglich bezieht sich der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU) mit seinen „Indizien für Umgehungstatbestände“ auf den Bericht des Spitzenverbands der Kassen von Juli 2010 – aber was steht da drin und worauf stützen sich die Mutmaßungen dieser Interessenvereinigung zum großen Verdacht des Missbrauchs? Konkrete Belege gibt es ja nicht!

Auch Alexander Gunkel aus der BDA-Hauptgeschäftsführung liegt voll daneben, wenn er meint, im Falle einer über ein Jahr währenden Krankheit liege eine verminderte Erwerbsfähigkeit vor; die Absicherung dieses Risikos sei jedoch nicht Aufgabe der Krankenversicherung, sondern dafür gebe es Erwerbsminderungsrente.

Deutlich wurde also – erneut – hauptsächlich das Problem der Schnittstellen zwischen den Sozialversicherungsträgern. Es liegt natürlich nahe, dass die Kassen bei dieser Gelegenheit den Rententrägern den Schwarzen Peter zuschieben und von diesen wegen – nicht nur aus Kassensicht – unbefriedigenden Rentenverfahren Geld wollen. (Das hätten die eigentlich Betroffenen auch mal gerne!)

Ansonsten ist der Beitrag nichts weiter als ein „vorgezogener Silvesterknaller“, der sich bei näherer Betrachtung auch noch als „diffamierende Nebelbombe“ erweist.

Gruß!
Machts Sinn
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Czauderna



Anmeldungsdatum: 10.12.2008
Beiträge: 3116

Verfasst am: Mo Jan 02, 2012 6:35 pm    Titel:

Hallo Machts Sinn,

das verhält sich hier genau so wie die in den Foren verbreitete Mär, dass die Krankenkasse generell gegen ihre Versicherten arbeiten statt für sie.
Irgendwelche "Studien" über Kassen werden begierig aufgenommen und genüsslich in den Foren ausgebreitet - Hauptsache es geht gegen die Kassen allgemein und erscheint dann mal ein Beitrag in einer Zeitung von solcher "Güte" - dann ist das eine oberflächlich Betrachtung oder sogar eine Diffamierungskampagne gegen die Versicherten - man kann es eben niemanden recht machen.

Ich weiss aus meiner Praxis heraus nur eines - wenn ich für jeden Fall, bei dem wir als Kasse eigentlich vollkommen zu Unrecht Krankengeld zahlen mussten weil sich Versicherter und Arzt einfach nur auskannten im
System und perefekt agiert haben, obwohl von einer Arbeitsunfähigkeit keine Rede sein konnte - auch nur 1,00 € bekäme, ich glaube, da könnte ich mir kräftig einen antüdeln.

- ich denke mal, dass du das Ganze etwas differenzierter siehst - du hast ja nur Probleme mit einer Kasse.

Gruss
Czauderna
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Machts Sinn



Anmeldungsdatum: 23.09.2010
Beiträge: 1500

Verfasst am: Mo Jan 02, 2012 7:46 pm    Titel:

Hallo Czauderna,

klar hat alles zwei Seiten – und du wirst ja wesentlich deutlicher als euer/e Pressesprecher/in:

Zitat:
Alle Kassen haben deshalb ihr Fallmanagement kräftig ausgebaut, bieten Hilfen und suchen so Patienten und Kosten zu steuern. Bei der DAK heißt es, sobald man Anzeichen für Auffälligkeiten feststelle, werde das Versorgungs- und Fallmanagement aktiv. „Es klärt unter Einschaltung des medizinischen Dienstes der Krankenkassen die Anspruchsvoraussetzungen.“

Tatsächlich haben die Krankenkassen bei Zweifeln an der Arbeitsunfähigkeit den Medizinischen Dienst zu beteiligen. Das macht nicht nur die DAK sehr gerne, sondern ist im Jahr 2010 bei insgesamt 1,6 Mio. Krankengeld-Leistungsfällen durchschnittlich in jedem Fall geschehen. Der Anlass für die Beteiligung des MDK wurde in rund 600.000 Fällen in Zweifeln/Auffälligkeiten gesehen und hat sich in jedem fünften überprüften Fall bestätigt. Das Procedere war also zu 80 % vergeblich. Derart überflüssiger Aufwand in bis zu 480.000 Fällen ist weder mit Kostenzielen im Gesundheitswesen -

spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,806445,00.html
- vereinbar noch mit Prävention gegen Leistungsmissbrauch bei der gesetzlichen Krankenversicherung begründbar, sondern Beweis für sachfremde Erwägungen beim „Fallmanagement“.

Also: von der FAZ erwarte ich mehr als einseitige reißerische Schlagzeilen zum Generalverdacht gegen Krankengeldbezieher und von den Krankenkassen mehr Augenmaß bei der Beteiligung des MDK wegen Zweifeln an der Arbeitsunfähigkeit !

Gruß!
Machts Sinn
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CiceroOWL



Anmeldungsdatum: 20.09.2008
Beiträge: 2956

Verfasst am: Sa Jan 28, 2012 7:45 pm    Titel:

Betrug bei Krankenkassen
Immer wieder kommt es vor das Krankenkassen von Versicherten hintergangen werden, in dem der Versuch gemacht wird , sich in ungesetzlicher Weise das Krankengeld oder anderes gesetzliche Leistungen zu beschaffen.
Vor kurzem ist ein Mitglied der Betriebskrankenkasse der Firma Friedr. Krupp AG, Essen, wegen Fälschung eines Krankenscheines vom Schöffengericht Essen zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilt worden.
Es empfiehlt sich gelegentlich in den Kreisen der Versicherten auf solche Bestrafungen aufmerksam zu machen.

Quelle: Die Betriebskrankenkasse 17 / 1924 S. 238

Nur mal so zur Info das Problem gibt es seit Beginn und wird uns auch nie verlassen.

Gruss.

jochen
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v. Moltke
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roemer70



Anmeldungsdatum: 23.06.2010
Beiträge: 290

Verfasst am: Sa Jan 28, 2012 9:43 pm    Titel:

Das Thema ist auch schon längst wissenschaftlich untersucht:
jura.uni-hannover.de/1153.html?&no_cache=1
Siehe auch die Publikationen am Ende der Seite.

Kriminelle Energie ist in jedem Wirtschaftszweig vorhanden - gerade in denen mit großen finanziellen Flüssen.
Man muss sich aber davor hüten, jetzt pauschal alle Akteure, unabhängig davon, auf welcher Seite sie stehen, unter Generalverdacht zu stellen.
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CiceroOWL



Anmeldungsdatum: 20.09.2008
Beiträge: 2956

Verfasst am: So Jan 29, 2012 10:56 am    Titel:

Grundsätzlich richtig.
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Machts Sinn



Anmeldungsdatum: 23.09.2010
Beiträge: 1500

Verfasst am: So Jan 29, 2012 11:38 am    Titel:

genauer hinschauen -

dort geht es um Betrug in der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt, nicht um Krankengeldmissbrauch!

Aber auch da wird die Beliebigkeit der Krankenkassen und ihrer Vorstände bezüglich höchst unterschiedlicher Arbeitsstruktur und Personalausstattung deutlich.

Die Studie zeigte auch, dass ein zunächst angenommenes Fehlverhalten bei Abschluss der Fallbearbeitung vielfach nicht bestätigt bzw. nachgewiesen werden konnte. Strafanzeigen wegen des Verdachts des Betrugs oder der Untreue waren mit 2,4 % der überprüften Fälle selten.

Leistungserbringer mit Abrechnungsmanipulationen kamen trotz des höheren Unrechts- und Schuldgehalts besser weg als andere Personen.

Gruß!
Machts Sinn
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roemer70



Anmeldungsdatum: 23.06.2010
Beiträge: 290

Verfasst am: So Jan 29, 2012 1:33 pm    Titel:

Machts Sinn, mein Beitrag war weder auf Dich, noch auf KG-Bezieher im Speziellen bezogen. Es ging mir darum aufzuzeigen, dass es überall schwarze Schafe gibt - AUCH bei KG-Beziehern - und ich einen Generalverdacht ablehne.

Die von Dir angesprochene "Beliebigkeit" bei der Mißbrauchsverfolgung (die im Übrigen nach einer Leistungserbringung und damit gänzlich anders als das KG-Fallmanagement abläuft) hängt an vielen Faktoren, z.B. an der Komplexität der Abrechnungsmodalitäten, der jeweiligen personellen Ausstattung, erwarteten Effekten etc.

Jedweden Artikel / Meinung jetzt auf Dein Ziel zu projizieren halte ich übrigens für sehr vermessen - lies einfach nochmal meinen ersten Absatz in diesem Beitrag durch, dann verstehst Du, was ich ausdrücken wollte.
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Czauderna



Anmeldungsdatum: 10.12.2008
Beiträge: 3116

Verfasst am: So Jan 29, 2012 7:59 pm    Titel:

Hallo Römer 70,

keine Angst - unser Freund Machts Sinn käme nie auf den Gedanken irgendwelchen Missbrauch zu begehen - der besteht auf die Korrektheit und die Einhaltung der Gesetzmäßigkeiten - nur wenn es um die Verallgemeinerung geht, da nimmt er es nicht so genau - eine Kasse, bzw. ein Mitarbeiter schlecht heißt bei ihm, das System als solches ist schlecht.
Dass zwischen Leistungsmissbrauch und Betrug bei Abrechnungen keinerlei Unterschied besteht und dass es bei den Versicherten genau solche "schwarzen Schafe" gibt wie bei den Krankenkassen, bzw, bei Mitarbeitern von Krankenkassen,
das interessiert ihn hier nicht - wäre auch kontraproduktiv - es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Schade dass es keine Foren gibt wo sich Krankenkassen-Mitarbeiter mal über spezielle "Kunden" auslassen können - aber da steht Gott sei es gelobt, der Datenschutz vor.
Gruss
Czauderna
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roemer70



Anmeldungsdatum: 23.06.2010
Beiträge: 290

Verfasst am: So Jan 29, 2012 11:37 pm    Titel:

Zitat:
Schade dass es keine Foren gibt wo sich Krankenkassen-Mitarbeiter mal über spezielle "Kunden" auslassen können


Und trotzdem ist die überwiegende Mehrheit der KK-Mitarbeiter beim folgenden Kunden wieder nett und freundlich - auch wenn man beim vorherigen wegen dessen vergessener Kinderstube die Faust unter dem Schreibtisch geballt hat.

Finde ich selbstverständlich, scheint hier aber durchaus mal eine Erwähnung wert. Smile
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Machts Sinn



Anmeldungsdatum: 23.09.2010
Beiträge: 1500

Verfasst am: Mo Jan 30, 2012 11:42 pm    Titel:

Hallo Czauderna,

na, ist das

Zitat:
eine Kasse, bzw. ein Mitarbeiter schlecht heißt bei ihm, das System als solches ist schlecht

nicht eine sogar verzerrte Verallgemeinerung?

Deswegen mal konkret: Du und Leser seid die Einzigen, die sich hier im Forum in den letzten fast eineinhalb Jahren gegen die „Taschenspielertricks“ ausgesprochen haben. (Sollte ich jemanden übersehen oder vergessen haben, möge er / sie sich melden und mir dies nachsehen).

Die Fragen bleiben:

Was hat sich bisher getan – außer dass der GKV-Spitzenverband die Situation noch verschärft hat?

Und weshalb spricht sich hier keiner der Krankenkassenmitarbeiter gegen die pauschale Verunglimpfung der Krankengeldbezieher durch die FAZ aus? (In dem Zusammenhang sind dir Verallgemeinerungen wohl egal, oder?)

Fazit: wer im Krankenversicherungssystem mit so vielen Organisationen und gegenseitigen, vorwiegend egoistischen Interessen arbeitet, sollte lernen, mit Kritik umzugehen oder aber sich mit "Glaubenskrisen" auseinander zu setzen.

Gruß!
Machts Sinn
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CiceroOWL



Anmeldungsdatum: 20.09.2008
Beiträge: 2956

Verfasst am: Mo Jan 30, 2012 11:50 pm    Titel:

Ich bin von Haus aus Protestant, da lebt es sich mit Glaubenskrisen. ( Führte im übrigen zur Reformation usw usw.)
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