Regelaltersrente und Selbständigkeit

GKV - PKV wie kann man sich am besten versichern?

Moderator: Czauderna

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Schippo
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Regelaltersrente und Selbständigkeit

Beitrag von Schippo » 15.05.2019, 09:36

Hallo, liebe Experten,

ich beziehe seit Mai 2018 Regelaltersrente, von der ich aber nicht leben kann. Da ich seit Jahren selbständig war, wollte ich das im Alter eingeschränkt fortsetzen. Ich bin in der Krankenversicherung der Rentner, so daß der auf die Rente entfallende KV-Beitrag einbehalten und automatisch an die Krankenkasse abgeführt wird. Nun möchte die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag auf die selbständige Nebentätigkeit erheben. Da ich aufgrund einer zwischenzeitlich schweren Erkrankung und einer OP an der Wirbelsäule nur noch sehr geringfügig dazuverdienen kann, stellt sich mir die Frage, wie das berechnet werden soll. Während meiner Erkrankung war mein Gewerbe ruhend gestellt und die Krankenkasse hat auf Zusatzbeiträge verzichtet. Nun habe ich meine nebenberufliche Selbständigkeit wieder aufgenommen und die Krankenkasse möchte die Beiträge neu festsetzen. Hierzu verlangt sie den letzten Steuerbescheid, der allerdings ausschließlich das Ergebnis der hauptberuflichen Tätigkeit ist, also vor Renteneintritt. Dieser spiegelt aber eine ganz andere wirtschaftliche Situation wieder und würde bei Anwendung zu einem mtl. Zusatzbeitrag führen, den ich unter den heutigen Gegebenheiten gar nicht bezahlen könnte.

Was kann ich tun? Muß sich die Krankenkasse gedulden bis ein aktueller Steuerbescheid vorliegt, der die jetzige wirtschaftliche Situation seit Renteneintritt, also eine nebenberufliche Selbständigkeit wiederspiegelt? Die Krankenkasse droht mir bereits mit einer Berechnung nach der Höchstbemessungsgrenze.

Ich könnte mein Einkommen seit Renteneintritt (Mai - Dez. 2018) auch anhand der EÜR nachweisen. Muß die Krankenkasse das im Vorfeld akzeptieren bis ein endgültiger Steuerbescheid vorliegt? Da die Krankenkasse aber die Einkünfte anders bemißt als das Finanzamt, bin ich mir unsicher, was ich vom Überschuß lt. EÜR, also Einnahmen minus Ausgaben, noch in Abzug bringen darf. Das Finanzamt berücksichtigt vom verbleibenden Überschuß ja noch private Belastungen bzw. Aufwendungen (z. B. gezahlte Privatsteuern (ESt., etc.) oder gezahlte Krankenkassenbeiträge und andere Aufwendungen. Erst dann ist es für das Finanzamt das Steuerbrutto, also der Betrag vor Steuern. Diese privaten Aufwendungen sind ja ebenfalls in einer EÜR unter „Sonstige Konten" ausgewiesen, dürfen aber nicht sofort als unbeschränkt abzugsfähige geschäftliche Ausgaben geltend gemacht werden. Gilt diese Ermittlung des Steuerbruttos auch für die Krankenkasse?

Für mich ist das besonders wichtig, da es ja bei den Krankenkassen einen Freibetrag (2019 = 155,75) gibt, die sog. beitragsfreien Versorgungsbezüge, und erst Beiträge entstehen, wenn dieser überschritten wird. Aufgrund meiner Erkrankung und der langen Arbeitsunfähigkeit war mein Einkommen in dieser Zeit so gering, daß ich noch mtl. unterhalb dieser Freigrenze liegen würde und gar keinen Zusatzbeitrag entrichten müßte, wenn die Berechnung des Steuerbruttos gleich ist. Wenn dies nicht der Fall ist und die Krankenkassen diese privaten Aufwendungen nicht berücksichtigen, würde ich über dem Freibetrag liegen und es würde für mich die Beitragsbemessungsgrenze von z. Z. 1.038,33 EUR gelten.

Ich bedanke mich schon jetzt ganz herzlich für jegliche Hilfe und die Mühe.

Viele Grüße von Schippo

Czauderna
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Re: Regelaltersrente und Selbständigkeit

Beitrag von Czauderna » 15.05.2019, 10:54

Hallo und willkommen im Forum,
ja, es ist so, wenn ein versicherungspflichtiger Rentner mit seinen Versorgungsbezügen und/oder einem Arbeitseinkommen aus einer nebenberuflichen Tätigkeit über diese 155,75 € monatlich kommt, dann sind diese Bezüge beitragspflichtig. In deinem Fall ist das nicht seit Beginn der KVdR (Krankenversicherung der Rentner) der Fall sondern erst später eingetreten. Aus diesem Grunde kann nicht der alte Einkommensteuerbescheid zugrunde gelegt werden sondern die Einstufung erfolgt auf deine Erklärung hin als vorläufig, also bis zu dem Zeitpunkt an der der dazugehörige Einkommensteuerbescheid schriftlich vorliegt. Solange deine Selbständigkeit nicht hauptberuflich ist, wird auch nur der tatsaechliche Arbeitseinkommensbetrag beitragspflichtig - Beispiel : Du erklärst 200,00 € als Arbeitseinkommen, dann zahlst duch nur für 200,00 €.
Die von dir genannten 1038,33 € kannst du vergessen, das trifft auf dich nicht zu, da du pflichtversichert bist als Rentner und nicht freiwillig.
Mein Rat - mit der Kasse Kontakt aufnehmen und eben schriftlich erklären, wieviel du Arbeitseinkommen hast deiner Schaetzung nach und dass der Einkommensteuerbescheid dafür noch nicht vorliegt und das dir bekannt ist, dass du ggf. mit einer Nachzahlung, aber auch mit einer Rückzahlung aufgrund deiner jetzt gemachten Schaetzung rechnen kannst bzw. musst. Da sollte dann so auch in Ordnung gehen.
Gruss
Czauderna

Schippo
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Re: Regelaltersrente und Selbständigkeit

Beitrag von Schippo » 15.05.2019, 15:33

Hallo,

vielen Dank für die nette Begrüßung und die ausführlichen Infos. Jetzt bekomme ich so langsam den Durchblick, nur hab ich noch immer keine Ahnung, wie

1. die Krankenkassen das Steuerbrutto ermitteln (wie Finanzamt, also abzgl. privater Aufwendungen, oder nur Einnahmen minus Ausgaben = Brutto vor Steuern)

und

2. wie soll ich den Steuerbescheid für das Jahr 2018 auseinanderposamentieren? 4 Monate des Jahres (Jan. - April) war ich hauptberuflich selbständig und mit Renteneintritt ab Mai 2018 nebenberuflich selbständig. Der Nachweis dürfte hier schwierig sein, aber vielleicht kann man ja für derartige Zwecke zwei Steuerbescheide erstellen lassen mit abweichenden Zeiträumen statt das gesamte Kalenderjahr.

Schon jetzt ganz herzlichen Dank für die super Aufklärung.

Viele Grüße von Schippo

Czauderna
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Re: Regelaltersrente und Selbständigkeit

Beitrag von Czauderna » 15.05.2019, 16:10

Hallo,
sicherlich wird es schwierig sein festzustellen, wieviele Einnahmen ab 01.05. geflossen sind - da musst du schon damit rechnen, dass bei Vorlage des Einkommensteuerbescheids für 2018 die Kasse diese Einnkünfte durch 12 Monate teilt - wie sonst soll sonst eine monatliche Zuordnung erfolgen, oder könntest du das anhand deiner Buchhaltung belegen ?.
Im Bescheid gibt es einen Posten "Einnahmen aus Gewerbe" oder so ähnlich - und was da steht, das wird genommen und durch die Monate geteilt.
Wie war das denn in 2018 als der Rentenbescheid kam - in die KVdR kann man ja nur, wenn man nicht hauptberuflich selbständig ist - wie wurde das denn von der Kasse geprüft - was hast du damals ggegenüber der Kasse erklärt, denn offenbar wurde die Selbständigkeit ja nicht unterbrochen sondern nur umgestellt.
Gruss
Czauderna

Schippo
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Re: Regelaltersrente und Selbständigkeit

Beitrag von Schippo » 15.05.2019, 18:07

Czauderna hat geschrieben:
15.05.2019, 16:10
oder könntest du das anhand deiner Buchhaltung belegen ?
Ja sicher könnte man das anhand der EÜR belegen. Aber man kann auch Steuererklärungen einreichen, die zeitlich vom Kalenderjahr abweichen. Ob man natürlich so wie hier splitten kann, muß ich mit dem Finanzamt abklären.
Czauderna hat geschrieben:
15.05.2019, 16:10
Im Bescheid gibt es einen Posten "Einnahmen aus Gewerbe" oder so ähnlich
...so ähnlich heißt "Einkünfte aus Gewerbebetrieb" - ich dachte mir schon, daß das maßgebend ist. Danke für die Bestätigung.
Czauderna hat geschrieben:
15.05.2019, 16:10
in die KVdR kann man ja nur, wenn man nicht hauptberuflich selbständig ist
Das ist wohl nicht ganz so. Soweit mir bekannt ist und so war es auch bei mir, muß man bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um in die KVdR aufgenommen zu werden. Um jetzt nichts Falsches zu erzählen, zitiere ich mal die Verbraucherzentrale. Hier heißt es:
Für die Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner (KVdR) sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen: Wer berufstätig war, muss in der zweiten Hälfte der Erwerbszeit mindestens zu 90 Prozent gesetzlich versichert gewesen sein - egal ob als Pflichtmitglied oder freiwilliges Mitglied. Anrechenbar sind auch Zeiten der Familienversicherung und einer Versicherung in der ehemaligen DDR. Zeiten des Verbleibs in einer gesetzlichen Krankenversicherung im Ausland sind anrechenbar bei den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums und bei Staaten, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht.
Also ich mußte hier gar nichts nachweisen, das ging alles ganz automatisch, denn die Versicherungszeiten liegen ja vor. In der ersten Hälfte meines Erwerbslebens war ich Arbeitnehmer und als Unternehmer dann immer freiwillig gesetzlich versichert.

Aber ich habe abschließend auch noch eine Frage zu den beitragsfreien Versorgungsbezügen von derzeit 155,75 € monatlich. Ist das ein Freibetrag und erst alles, was darüber liegt, wird zur Berechnung herangezogen oder gilt hier bei Überschreitung die Berechnung ab 0,01 €? Ich vermute mal Letzteres.

Ganz viele Bienchen von mir für die wirklich hilfreichen Infos und die schnelle Beantwortung meiner Fragen.

Gruß von Schippo

Czauderna
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Re: Regelaltersrente und Selbständigkeit

Beitrag von Czauderna » 15.05.2019, 18:24

Hallo,
noch einmal - die KVdR setzt einen Rentenbezug bzw. eine Antragstellung auf eine Rente voraus - das mit der Vorversicherungszeit ist schon richtig, aber auch die wird nur dann geprüft wenn eine Rente beantragt oder wird,also ein Rentenanspruch besteht.
Ja, du hast recht - Überschreitung von 1 Cent würde zur Beitragspflicht führen.
Gruss
Czauderna

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Re: Regelaltersrente und Selbständigkeit

Beitrag von Schippo » 15.05.2019, 19:28

Ja natürlich, einen Rentenantrag habe ich gestellt - das hatte ich jetzt mal als selbstverständlich vorausgeschickt. Jeder mit einem Anspruch auf Rente muß ja erst einmal einen Rentenantrag stellen, um den Anspruch, sprich die Rente, auch zu erhalten - klingt paradox, ist aber meines Wissens so. Von allein kommt hier nix. Möglicherweise waren in dem Rentenantrag auch Fragen zur Vorversicherungszeit enthalten, das weiß ich schon gar nicht mehr so genau, aber gesondert mußte ich keinen Antrag mehr auf KVdR stellen.

Nochmals vielen Dank für die Infos, mir haben sie sehr geholfen.

Noch einen schönen Abend und viele Grüße von Schippo

heinrich
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Re: Regelaltersrente und Selbständigkeit

Beitrag von heinrich » 15.05.2019, 20:50

https://www.vdek.com/vertragspartner/mi ... 2.2014.pdf

B.1.1.3.2Besonderheiten auf Seite 59

Wird eine selbstständige Tätigkeit nicht mehr hauptberuflich, sondern „nebenberuflich“ ausgeübt und erfolgt daher ein Wechsel von der freiwilligen Versicherung oder Pflichtversicherung nach § 5 Abs. 1 Nr. 13 SGB V in die bzw. eine andere Pflichtversicherung, z. B. in die Krankenversicherung der Rentner, findet insofern eine versicherungs- und b e i t r a g s r e c h t l i c h e Z ä s u r statt. Dies rechtfer-tigt es, der Beitragsbemessung aus dem Arbeitseinkommen n i c h t mehr das aus dem l e t z t e n Ein-kommensteuerbescheid hervorgehende – höhere – Arbeitseinkommen, sondern das v o r a u s s i c h t l i c h e aktuelle - niedrigere – Arbeitseinkommen zu Grunde zu legen und auf dieser Grundlage die Beiträge wie bei Personen, die erstmals eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen, v o r l ä u f i g fest-zusetzen. Die vorläufige Beitragsfestsetzung aus dem Arbeitseinkommen ab dem Zeitpunkt des Statuswechsels im Wege der *** Anwendung der Regelung des § 240 Abs. 4a Satz 2 SGB V findet auf der Grundlage derselben Unterlagen statt, die für die Entscheidung über den Status-wechsel relevant waren. Sobald der Einkommensteuerbescheid für das Veranlagungsjahr vorliegt, in dem sich der Wechsel von der haupt- zur nebenberuflichen selbstständigen Tätigkeit vollzogen hat, wird r ü c k w i r k e n d eine e n d g ü l t i g e Beitragsfestsetzung vorgenommen. Das Mitglied hat dann g l a u b h a f t zu machen, welcher Teil des aus dem Einkommensteuerbescheid hervorgehenden Arbeitseinkommens auf den Teil des Kalenderjahres entfällt, in dem die Tätigkeit nebenberuflich ausgeübt wurde. Das sich daraus ergebende durchschnittliche monatliche Arbeitseinkommen ist für die endgültige Beitragsfestsetzung ab dem Zeitpunkt des Wechsels von der haupt- zur nebenberuflichen selbst-ständigen Tätigkeit zugrunde zu legen. Gleichzeitig sind die Beiträge für die vorangegangene Zeit der freiwilligen Versicherung in dem Jahr ebenfalls endgültig festzusetzen, sofern dies nicht be-reits der Fall ist (vgl. § 240 Abs. 4a Satz 6 SGB V).

Schippo
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Re: Regelaltersrente und Selbständigkeit

Beitrag von Schippo » 15.05.2019, 22:12

Hallo Heinrich,

auch Dir vielen Dank für diese ausführlichen Infos und die Mühe. Damit erübrigt sich ja dann meine Anfrage beim Finanzamt, super.

Viele Grüße von Schippo

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